Motorsport Historie

Rasante Anfänge

Die Motorsport-Faszination der frühen Jahre

Von den Frühzeiten des Automobils bis heute galt und gilt Motorsport als ideale Plattform, um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Produkte unter Beweis zu stellen, die Bekanntheit der Marke zu stärken und sie emotional aufzuladen. Die Faszination von Wettfahrten – und die verkaufsfördernde Wirkung von Rennerfolgen – erkannten schon Václav Laurin und Václav Klement, die Gründerväter der heutigen Marke ŠKODA AUTO.

1895 begannen sie im böhmische Mladá Boleslav mit dem Bau von Fahrrädern. Ab 1899 entstanden in ihrer Werkstatt die ersten Motorräder – wenig später wagten sie den Schritt in den Motorsport. Beim Renndebüt der Marke im Jahr 1901 war ein Motorrad von Laurin & Klement auf der anspruchsvollen, 1.200 Kilometer langen Wettfahrt Paris – Berlin, als erstes im Ziel. Allerdings war Rennfahrer Narcis Podsednicek so schnell, dass die Zeitkontrolle in Berlin noch unbesetzt war und er nicht in die Wertung kam.

Ab 1905 wandten sich Laurin & Klement dem Bau von Automobilen zu – und weiteten das Rennsport-Engagement folgerichtig auf vier Räder aus. Schon ein Jahr später feierte ein L&K seinen ersten Sieg. Besonders der Werksfahrer Otto Hieronimus sammelte im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts europaweit Rekorde und Rennerfolge. So feierte der Österreicher 1908 beim Autorennen von Sankt Petersburg nach Moskau über die Distanz von 686 Kilometern in einem L&K den Klassensieg und erzielte den fünften Platz im Gesamtklassement – inmitten deutlich leistungsstärkerer Konkurrenz. Auf dem Semmering bei Wien gewann er 1909 mit dem gewaltigen, 100 PS starken Laurin & Klement Typ FCR mit 5,7 Liter Hubraum.

Solche Erfolge steigerten nicht nur Bekanntheit und Renommee der Marke. Weil Hieronimus in Mladá Boleslav zugleich als Konstrukteur tätig war, flossen technologische Weiterentwicklungen aus dem Rennsport immer auch in die Serienfahrzeuge ein.

Außer Rennen und Rekordfahrten gehörten Rallyes zum Einsatzgebiet des ŠKODA Vorgängers Laurin & Klement. Diese strapaziösen Langstreckenfahrten forderten Fahrer wie das Material bis auf das Äußerste – doch die hochwertigen und robusten Autos aus Mladá Boleslav stellten konsequent ihre Zuverlässigkeit unter Beweis. Besonders der Gewinn der Alpen-Trophäe 1914 sorgte für viel Aufsehen. Nach der 2.931,4 Kilometer langen Fahrt über die steilen Alpenpässe konnten Alexander Graf Kolowrat und Otto Hieronimus den Wanderpokal mit nach Mladá Boleslav nehmen.

ŠKODA feiert überraschendenden Erfolg bei der berühmten Rallye Monte Carlo

Der erste Weltkrieg verordnete dem Rennsport in Europa eine Zwangspause, in der folgenden Weltwirtschaftskrise setzte der jetzt mit ŠKODA vereinte Hersteller Laurin & Klement andere Prioritäten. 1933 meldete sich ŠKODA mit drei 6-Zylinder-Rennwagen bei den tschechischen ,1.000 Meilen‘ zurück.

1936 startete erstmals ein ŠKODA zur Rallye Monte Carlo – damals inklusive Anfahrt von Athen auf eigener Achse. Rennfahrer Zdenek Pohl und der ŠKODA Ingenieur Jaroslav Hausmann steuerten dabei einen seriennahen Popular Roadster, den sie mit dem 1,4-Liter-Motor des Rapid ausrüsteten. Der kompakte Zweisitzer schaffte bei der weltberühmten ,Monte‘ auf Anhieb das scheinbar Unmögliche: Pohl/Hausmann behaupteten sich mit ihrem Fronttriebler gegen die starke Konkurrenz und erreichten Platz zwei in ihrer Klasse – für den Automobilhersteller aus Mladá Boleslav ein wegweisender Erfolg. ŠKODA ließ seine Kunden daran teilhaben mit einer sportlichen Kleinserie des Popular, die gewissermaßen als Vorläufer der heutigen Ausstattungsversion Monte Carlo gelten darf.

Power aus Mlada

Motorsport hinter dem „Eisernen Vorhang“

Nach dem 2. Weltkrieg startete ŠKODA 1950 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Dafür bauten die Ingenieure in Mladá Boleslav einen kompakten Rennsportwagen auf. Als Kraftquelle diente der 1,1-Liter-Motor aus dem Serienmodell 1101, das für den Ausdauermarathon mit einem Zylinderkopf aus Aluminium bestückt wurde. Auch die Karosserie war aus Leichtmetall gefertigt. Nach einem vielversprechenden Start schied der schnelle Bolide aus Tschechien jedoch zur Rennhalbzeit aus.

Aber die Idee eines leichten und leistungsstarken zweisitzigen Rennwagens ließ die Motorsportler in Mladá Boleslav nicht ruhen. Auf Basis des Motors für den Octavia-Vorläufer ŠKODA 440 entwickelten die tschechischen Ingenieure einen Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Dieses Aggregat bauten sie 1957 in einen offenen roten Renner mit Kunststoffkarosserie ein. Der superleichte 1100 OHC kam bei Veranstaltungen in Osteuropa zum Einsatz und zählt heute zu den Prunkstücken des Werksmuseums.

Premiere: Der ŠKODA Octavia debütiert im Rallyesport

Abseits befestigter Straßen sorgten die zweitürige Limousine ŠKODA 440 und deren Nachfolger Octavia bei Rallyes für Furore. Gleich bei seinem ersten Einsatz zur Rallye Monte Carlo im Jahr 1960 erreichte der auf 55 PS getunte Octavia TS Platz zwei und drei in seiner Kategorie, in den Folgejahren war dieses ,Tourensport‘-Modell in seiner Klasse kaum mehr zu schlagen. 1961 eroberten die Finnen Esko Keinänen/Rainer Eklund mit einem serienmäßigen Octavia TS auf den eisigen und verschneiten Asphaltpisten der ,Monte‘ sogar Gesamtrang sechs. Im Jahr 1962 starteten 352 Teams zur Rallye Monte-Carlo, darunter allein 15 Fahrzeuge des Typs ŠKODA Octavia TS.

Ab 1964 setzte ŠKODA die Modelle 1000 MB, 110, 120 und 130 ein – dank Heckmotor und Hinterradantrieb glänzten sie mit hervorragender Traktion. Ihre moderne und ausgereifte Technik half ihnen oft, trotz vergleichsweise kleiner Motoren, die leistungsstärkere Konkurrenz in Schach zu halten. Auch im Formelsport sammelte ŠKODA Erfolge: Den 1,0-Liter-Motor, der für den 1000 MB entwickelt wurde, verwendeten die Tschechen 1964 in der Formel 3. In Mladá Boleslav fertigten sie den Typ 992, einen Monoposto, der in den Händen der Werksfahrer zahlreiche Erfolge einfahren konnte. So gewann beispielsweise Miroslav Fousek 1968 die osteuropäische Formel 3-Meisterschaft, den Pokal für Frieden und Freundschaft.

Legendärer ŠKODA 130 RS wirbelt die Rallyeszene auf

In den 1970er-Jahren überzeugte besonders der ŠKODA 130 RS – Vorgänger der aktuellen sportlichen RS-Modelle der tschechischen Traditionsmarke. Dieses reine Wettbewerbsfahrzeug wurde zwischen 1975 und 1982 gebaut. Über die genaue Stückzahl gibt es unterschiedliche Angaben, die zwischen 65 und 200 Exemplaren schwanken. Die Karosserie basierte auf dem Sport-Coupé 110 R, allerdings waren Dach, Fronthaube und Türhäute aus Aluminium gefertigt. Die Motorhaube und die verbreiterten Kotflügel bestanden aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die Fenster aus leichtem und splitterfestem Polycarbonat – ŠKODA erkannte früh den hohen Stellenwert von konsequenter Gewichtsersparnis im Motorsport.

Die geringen Stückzahlen und die für einen osteuropäischen Hersteller exotischen Materialien trugen ebenso zum legendären Ruf des Hecktrieblers bei wie seine Erfolge auf Renn- und Rallyepisten. Sein Motorsportdebüt gab der 130 RS auf der Rundstrecke, ab 1976 zählte er zu den erfolgreichsten Fahrzeugen der 1,3-Liter-Klasse im internationalen Rallyesport. Zwischen 1976 und 1980 siegte der „Porsche des Ostens“ fünfmal in Folge bei der Rallye Bohemia.

Als größter Einzelerfolg dieses Modells gilt der Doppelsieg in der Gruppe 2 bis 1.300 ccm bei der Rallye Monte Carlo 1977. Bei diesem Event erzielten Vacláv Blahna/Lubislav Hlávka einen herausragenden zwölften Platz im Gesamtklassement. Bei der materialmordenden Rallye Akropolis bewies der ŠKODA 130 RS in den Jahren 1978, 1979 und 1981 neben beachtlichem Speed auch seine außerordentliche Haltbarkeit. Ein weiteres Ausrufzeichen setzte ŠKODA, als die Marke mit dem 130 RS den Markentitel der Tourenwagen-Europameisterschaft 1981 gewann.

Neustart auf WM-Bühne

Zeitenwende – auch im Motorsport

Die Ära der heckgetriebenen Rallye-Autos aus Mladá Boleslav endete 1989, als ŠKODA den kompakten Favorit mit Frontantrieb auf die Rallye-Pisten schickte – ab 1993 sogar bei WM-Läufen. In seine Fußstapfen trat der ŠKODA Felicia. Das erste unter technischer Beteiligung von Volkswagen gebaute ŠKODA Modell wurde für Rallye-Einsätze als sogenanntes Kit Car angeboten und startete unter anderem 1995 bis 1997 in der Zweiradlerklasse der Rallye-Weltmeisterschaft.

Der ŠKODA Octavia feiert sein Rallye-Comeback

Bei der Rallye Finnland 1997 übernahm das ŠKODA Octavia Kit Car den Stab, nach weiteren zwei Jahren wagte die Marke dann mit einem allradgetriebenen Octavia World Rally Car (WRC) den Aufstieg in die Topliga der Rallye-WM. Am Steuer des Octavia WRC saß unter anderem der deutsche Rallye-Profi Armin Schwarz, der den Allradler 2001 bei der Safari-Rallye in Kenia auf den dritten Platz lenkte. Auf nationaler Ebene sorgte Werksfahrer Matthias Kahle mit dem zuverlässigen Octavia für Aufsehen und gewann 2002 wie 2004 die Deutsche Rallye-Meisterschaft. Parallel zu den Einsätzen des Octavia feierte 2003 das neue Rallye-Gefährt von ŠKODA, der Fabia WRC, sein Debüt. Zwei Jahre später fuhr Kahle mit diesem kompakten Allradler zum Gesamtsieg in der Deutschen Rallye-Meisterschaft, 2006 entschied er die Deutsche Rallye-Serie (DRS) für sich.

2007 wurde das Fabia Super 2000-Konzept in Genf präsentiert, 2008 begann die Ära des kompakten Rallye-Gerätes – seitdem zählt der rund 270 PS starke Bolide im internationalen Rallyesport zu den erfolgreichsten Fahrzeugen überhaupt. Bei seinem Monte Carlo-Debüt im Rahmen der Intercontinental Rally Challenge (IRC) sicherte sich 2009 der Tscheche Jan Kopecký mit dem Newcomer Gesamtrang vier. Im Anschluss eroberte der ŠKODA Fabia Super 2000 zwischen 2010 und 2012 gleich drei Mal in Folge den Meistertitel in der IRC und holte weltweit zahlreiche Pokale in verschiedenen Serien.

Fabia Super 2000: Ein Dauergast auf dem Siegerpodest

Allein 2013 gewann der Fabia Super 2000 drei kontinentale Meisterschaften: Er sicherte sich den Gesamtsieg in der Rallye Europameisterschaft (ERC) durch Jan Kopecký (CZ), siegte in der Asia Pacific Rally Championship (APRC) mit Gaurav Gill (Indien) und eroberte mit Gustavo Saba (Paraguay) am Steuer den Meisterpokal in der Südamerika Meisterschaft Codasur. Hinzu kamen allein in der Saison 2013 sechs nationale Titelträger: Raimund Baumschlager in Österreich, Umberto Scandola in Italien, Dimitar Iliew in Bulgarien, Ricardo Moura in Portugal, Marouf Abu Samra in Jordanien und Gustavo Saba in Paraguay.

2013 brillierte der allradgetriebene Fabia Super 2000 in den Händen des deutschen Rallye-Talents Sepp Wiegand: Er gewann seine Klasse bei der Rallye Monte Carlo und erzielte einen bemerkenswerten achten Rang im Gesamtklassement. 2014 gab der ŠKODA Fabia Super 2000 in der Rallye-Europameisterschaft den Ton an. Der Finne Esapekka Lappi sicherte sich den EM-Titel, Wiegand eroberte Rang zwei. Damit ist der Fabia Super 2000 das erfolgreichste Rallye-Fahrzeug in der Motorsport-Geschichte von ŠKODA.

2015 löste ihn der Fabia R5 ab. Außerdem startet das Nachwuchstalent Fabian Kreim im Team von ŠKODA AUTO Deutschland. Der Youngster tritt in der Deutschen Rallye-Meisterschaft – Deutschlands höchster Rallye-Liga – an.